Wissenswertes

Das Element Wasser

Rund 5.400 Liter Wasser verbraucht jeder Deutsche im Durchschnitt pro Tag. Nur ein Bruchteil davon fließt aus unserem Wasserhahn, der Rest steckt in den Produkten, die wir konsumieren.

126 Liter Trinkwasser verbraucht jeder Deutsche im Durchschnitt pro Tag - nur einen winzigen Teil davon trinken oder essen wir jedoch: Fast die Hälfte fließt in die persönliche Hygiene (60 Liter), durch die Toilette (30 Liter) und die Waschmaschine (20 Liter), weitere 4 Liter werden zum Kochen, 6 Liter zum Abspülen und Putzen der Wohnung und 5 Liter für's Autowaschen, den Garten und/oder Zimmerpflanzen verwendet. Obwohl der deutsche Durchschnittsverbrauch seit dem Höchststand im Jahr 1991 (144 Liter) stetig sinkt, sind Deutsche im Vergleich zu Entwicklungs- und Schwellenländern wahre Verschwender: Ein Durchschnittshaushalt in Senegal hat nur 29 Liter pro Tag zur Verfügung, in Indien sogar nur 25 Liter.

Zwar kann in Nordeuropa die Wassersituation als nachhaltig bezeichnet werden: Es versickert ebenso viel über Niederschläge im Boden wie von den Menschen verbraucht wird. In Schleswig-Holstein entspricht der jährliche Wasserverbrauch durch Mensch und Tier sogar nur einem Viertel der Niederschlagsmenge. Aber in vielen Regionen Nordeuropas kann oberflächennahes Grundwasser aufgrund von Schadstoffeinträgen nicht mehr als Trinkwasser genutzt werden. Immer tiefere Brunnen müssen gebohrt und aufwändigere, teurere Reinigungsverfahren entwickelt werden, vor allem in Ballungsgebieten. Auch die zunehmende Bebauung und Versiegelung des Bodens wirkt sich negativ auf die Grundwasserreserven aus: Wasser wird über die Kanalisation abgeleitet, statt an Ort und Stelle zu versickern.

Eine weitere Gefahr, auch hierzulande: Wasser wird zur Handelsware, mit nicht abschätzbaren Folgen für Preis und Verfügbarkeit. In vielen deutschen Städten ist die (Teil-)Privatisierung kommunaler Wasserwerke ein Thema. Als eine der ersten hat 1999 Pleite-Hauptstadt Berlin 49,9 Prozent an RWE und Veolia verkauft und dabei Geheimverträge mit hohen Renditeversprechen abgeschlossen. Seitdem sind die Preise explodiert: Der Kubikmeter kostet in Berlin inzwischen 5,10 Euro, während man in München 3,21 Euro und in Hamburg 4,15 Euro bezahlt, obwohl dort die allgemeinen Lebenshaltungskosten höher sind. Auch in problematischeren Gegenden der Welt werden Wasservorräte von Großkonzernen aufgekauft, um sie als Markenwasser oder Softdrinks für teures Geld zu verkaufen. Die rund 90 Coca-Cola- und Pepsi-Fabriken in Indien haben durch ihren enormen Verbrauch das Grundwasser in einigen Regionen so stark abgesenkt, dass hunderte Brunnen ausgetrocknet sind. Der Protest der Bevölkerung dagegen hatte bisher nur teilweise Erfolg.

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Wir verbrauchen jeder täglich 25 Vollbäder Wasser!
Durch den Waren-Import aus dem Ausland trägt Deutschland einer WWF-Studie zufolge erheblich zum globalen Wassernotstand bei. Umgerechnet verbraucht jeder Deutsche laut dieser Studie pro Tag knapp 5.300 Liter Wasser – das sind etwa 25 Badewannenfüllungen.

„Umgelegt auf die Einwohnerzahl hat jeder Deutsche einen täglichen Wasser-Fußabdruck von 5.288 Litern, was etwa 25 Badewannenfüllungen entspricht“, sagt WWF-Experte Martin Geiger bei der Präsentation einer Studie zum Wasserverbrauch Deutschlands. Und das, obwohl der direkte Wasserverbrauch von Privatpersonen in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf (immer noch) 124 Liter pro Tag zurückgegangen ist.

Bei der Studie wurde nicht nur der direkte Wasserverbrauch berücksichtigt, sondern auch das in Lebensmitteln und Industriegütern enthaltene “virtuelle Wasser“: Wasser, das im In- oder Ausland bei der Herstellung eines Produkts verdunstet, verschmutzt oder verbraucht wird. Rund die Hälfte des deutschen Wasserbedarfs wird demzufolge über ausländische Produkte importiert.

Damit führt Deutschland, obwohl in einer wasserreichen Region der Erde lokalisiert, jedes Jahr rund 80 Milliarden Kubikmeter Wasser ein und zählt neben den USA und Japan zu den größten Wasserverschwendern dieser Welt. Oft geht dies voll zu Lasten von Ländern, in denen ohnehin großer Wassermangel vorherrscht. Insgesamt hat Deutschland laut der Studie des WWF einen jährlichen Wasser-Fußabdruck von etwa 160 Milliarden Kubikmetern – das ist mehr als das dreifache Volumen des Bodensees.

„Wasserverbrauch ist nichts schlechtes, sondern ein natürlicher Vorgang“, erklärt Martin Geiger. „Es kommt aber immer darauf an, wann, wo und wie viel Wasser aus der Natur entnommen wird.“ Mit einem Anteil von knapp drei Vierteln des Gesamtverbrauchs beansprucht der Agrarsektor am meisten Wasser, so lautet das Fazit des WWF. Deutlich schlägt sich in der Landwirtschaft der sehr hohe Fleischkonsum nieder: mehr als 50 Milliarden Kubikmeter Wasser werden in der Viehzucht verwendet. Etwa ein Viertel fließen in die Industrie. Von den täglich 5.300 Litern Wasser pro Einwohner würden lediglich 124 Liter direkt pro Kopf - etwa beim Waschen oder Kochen - genutzt.

Aufrüttelnd müsste sein, dass der Großteil dieses deutschen Wasser-Fußabdruckes von importierten Waren wie beispielsweise Baumwolle oder Kaffee her rührt, die oft aus Ländern kommen, die ganz besonders unter Wassermangel oder massiven Umweltbelastungen leiden. Dies gilt zum Beispiel für Brasilien, Indonesien oder Indien, darüber hinaus für Länder am Mittelmeer wie etwa Italien, Spanien, Griechenalnd oder die Türkei, in denen im Sommer ausdauernde Trockenperioden zu beobachten sind. “Hier fehlt das Wasser, das wir in Deutschland verbrauchen“, sagt WWF- Wasserexpertin Dorothea August. Ganze Ökosysteme sind laut WWF in Gefahr.

Auf diese Gesetzmäßigkeiten müssten sich vor allem Landwirtschaft und Industrie ein- und ihre Produktionsprozesse auf eine effiziente Wassernutzung umstellen. Die Politik soll, so der Wunsch des WWF, einen Rahmen für den verantwortungsvollen Umgang mit dem Element Wasser setzen. Deutschland ist in der Pflicht und hat die große Verantwortung, bei Importgütern ganz besonders auf deren Wasserverbrauch im Herkunftsland zu achten. Die sozialen und ökologischen Folgen des deutschen Wasser-Fußabdrucks gilt es bedeutend zu reduzieren. Das meiste Wasser führt Deutschland laut WWF über Agrar-Güter aus Brasilien mit 5,7 Milliarden Kubikmetern Wasser ein - sowie von der Elfenbeinküste mit 4,2 Milliarden und aus Frankreich mit 3,5 Milliarden Kubikmeter.

Der jährliche Wasserverbrauch Deutschlands nochmal nach Sparten:
-    private Haushalte: 5,5 Mrd. m³
-    Industrie: 36,4 Mrd. m³
-    Agrar-Sektor: 117,6 m³

Mehr Informationen: www.wwf.de, www.utopia.de

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