Wasserreporter
Donnerstag, 10. Juni 2010
WWF: Raubbau am Meer stoppen
WWF warnt vor der zunehmenden Industrialisierung der Meere
Zum Welttag der Ozeane warnt der WWF vor der fortschreitenden Industrialisierung und Plünderung der Weltmeere. Die aktuelle Ölkatastrophe im Golf von Mexiko verdeutliche welche Risiken mit der zunehmenden Förderung von Rohstoffen auf dem Meer verbunden sind. Verschmutzungen durch Industrieabwässer und Schifffahrt, Düngemitteleintrag aus der Landwirtschaft, sowie Überfischung durch industrielle, weltweit operierende Fangflotten bedrohen die Weltmeere zusätzlich.
Foto und Text mit freundlicher Genehmigung des WWF.
Foto: © Staffan Widstrand / WWF
Der WWF fordert ein Netz aus Meeresschutzgebieten, um
besonders sensible marine Ökosysteme zu schützen. Die Ozeane bedecken
70 Prozent der Erdoberfläche, bislang steht weniger als ein Prozent der
Meere unter Naturschutz.
„Wir können die Schatztruhe der Meere nicht weiter rücksichtslos
plündern“, sagt Stephan Lutter, Meeresschutzexperte beim WWF.
„Insbesondere für Offshore-Förderanlagen und Schifffahrt muss es
Nutzungseinschränkungen und strengere Sicherheitsvorgaben geben, um
Umweltkatastrophen vorzubeugen.“ Die Rohstoffgewinnung aus dem Meer
spielt angesichts zunehmend erschöpfter Quellen an Land eine wachsende
Rolle in der Weltwirtschaft. Rund 30 Prozent des Rohöls stammt schon
heute von Förderanlagen im Meer. Rund 400 Bohrplattformen gibt es
allein in der Nordsee. Im Normalbetrieb gelangen hier jährlich 14.000
Tonnen Öl ins Wasser. Hinzu kommen giftige Bohrschlämme und
Chemikalien. Westlich der britischen Inseln, vor den Färöer Inseln und
in der Barentssee sind zudem neue Förderanlagen geplant, die Öl aus bis
zu 1000 Metern Tiefe gewinnen sollen. In diesen Tiefen wäre man im
Notfall genau wie am Golf von Mexiko auf den Einsatz von Robotern bei
den Reparaturarbeiten beschränkt.
Bislang wird auf Meeresschutzgebiete und besonders empfindliche
Lebensräume auch hierzulande wenig Rücksicht genommen. Die Plattform
Mittelplate fördert mithilfe einer Ausnahmegenehmigung seit 1985 Öl im
Nationalpark Wattenmeer. Mitten in den NATURA 2000 Schutzgebieten
Sylter Außenriff und Östliche Deutsche Bucht wurde der Abbau riesiger
Mengen Sand und Kies genehmigt, die Zerstörung artenreicher Lebensräume
wird dabei in Kauf genommen. Das vom WWF eingereichte
Beschwerdeverfahren ist seit zwei Jahren anhängig.
Zu den größten Bedrohungen für die Meeresumwelt gehören die
Überfischung und zerstörerische Fangmethoden wie der Einsatz von
Bodenschleppnetzen. Obwohl zehn Flächen in Nord- und Ostsee in der
Ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands als Meeresschutzgebiet
ausgewiesen sind, ist die Fischerei in allen diesen Gebieten
zugelassen. „Zum Schutz der Artenvielfalt in unseren Meeren sind auch
fischereifreie Zonen und eine nachhaltige Bewirtschaftung der
Fischbestände nötig “ sagt Stephan Lutter, WWF Experte für
Meeresschutz. „Die Ressourcen der Meere sind endlich und das müssen wir
bei ihrer Nutzung berücksichtigen.“
Geschrieben von Kanadaria Redaktion in Aktuelles um 13:32 | Kommentare (0)

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